Kreativität kaputt

Shownotes

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Diese Folge entstand im Rahmen des Projektes Learning Architects. Learning Architects ist von und für Menschen, die Bildung kreativ, zielgruppengerecht und lebendig gestalten wollen:

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00:00:00: Hallo, das ist Learning Architects.

00:00:03: Der Podcast zur Gestaltung von Lernen von mit mir.

00:00:08: Ja, des Dirner!

00:00:09: Wer hat uns denn eigentlich den Zugang zu unserer Kreativität versaut?

00:00:14: Ich meine das jetzt so wirklich als Frage, denn ich glaube nicht dass Kreativität einfach so verschwindet.

00:00:20: Ich glaube auch nicht, dass manche Menschen kreativ sind und andere wiederum nicht!

00:00:25: Ich glaube eher viele von uns haben irgendwann gelernt mit Kreatativität einfach vorsichtig zu werden – und irgendwann wird aus Kreativity keine Möglichkeit mehr sondern eine zusätzliche Leistung.

00:00:38: In dieser Folge möchte ich deshalb ein paar gängige Kreativitätsmythen besprechen und zu einem anderen Blick einladen.

00:01:06: Mein Name ist Juris Dörner und das hier ist Sorry Nicht Kreativ, eine Serie über meine Gedanken und Impulse rund um kreatives Denken aus Sicht einer Lernbegleiterin.

00:01:18: Wir sprechen ja oft davon, dass Kinder in der Zeit vor der Schule super kreativ sind und wir Erwachsenen dann eher nicht so mehr.

00:01:25: Das hat natürlich auch etwas mit der Entwicklung zu tun.

00:01:28: Kinder haben zum Beispiel ganz andere Ängste als wir Erwachsene.

00:01:32: So haben sie vielleicht viel weniger Angst, etwas falsch zu machen als wir die schon durch ein Bewertungssystem wie die Schule gelaufen sind.

00:01:40: Aber ich glaube, es ist weit mehr als das wo wir unsere Kreativität auf dem Weg verloren haben.

00:01:47: Wir brauchen da gar nicht so sehr nur auf Schule schauen sondern auch auf unsere Arbeitswelt.

00:01:52: Ein großes Problem ist nämlich aus meiner Sicht dass wir Kreatativität verwertbar gemacht haben in Prozesse gegossen, in Workshops gepackt, in Innovationslogiken übersetzt ja also in quasi Ergebnisformate gepresst haben heißt irgendwann ist Kreativität eben keine Möglichkeit mehr, sondern eine zusätzliche Leistung.

00:02:16: Wir sollen kreativ sein aber immer in einem bestimmten Zeitfenster mit einem bestimmtem Ziel für diese eine Zielgruppe in einer ganz bestimmten Struktur und am Ende bitte auf jeden Fall mit einem präsentierbaren Ergebnis!

00:02:30: Und ganz ehrlich, eigentlich wundert es mich da überhaupt nicht dass manche Menschen sagen ich bin einfach nicht kreativ oder mir fällt gerade irgendwie nichts ein.

00:02:39: Oder ich komme da jetzt irgendwie nicht so rein.

00:02:42: vielleicht kommen sie auch genau deswegen nicht rein weil der Raum in den Sie rein sollen gar kein kreativer Raum mehr ist sondern einen Leistungsraum mit bunter Material, mit Klemmbausteinen, Haftnotizen.

00:02:56: Na ja wir kennen das ja und wer früh gelernt hat dass Ausdruck bewertet wird der beginnt eben vorsichtig zu werden.

00:03:03: Wir fragen uns dann ist das gut genug?

00:03:05: Ist das originell genug?

00:03:07: Is es irgendwie peinlich wenn ich das im Brainstorming sage was denken die anderen?

00:03:12: Und so wird kreativität nicht abgeschafft, aber kontrolliert und überwacht.

00:03:17: Und irgendwann verlagert sie sich dann so mehr nach innen.

00:03:21: also sie wird leiser vorsichtiger manchmal verschwindet sie auch ganz aus unserem sichtbaren Leben nicht weil sie nicht mehr da ist sondern weil sie keinen sicheren Ort mehr findet weil sie muss ja jetzt liefern.

00:03:35: Vielleicht kennst du das, man sitzt vor einem Konzept eigentlich weißt du zu dem Thema schon total viel hast extrem viel Erfahrung weiß wie du die Dinger gestaltest Du hast es ja schon ganz oft gemacht und trotzdem bleibt da so ein zähes Gefühl.

00:03:51: Es gibt zu viele Erwartungen zu viele mögliche Richtungen Zu viele Stimmen im Kopf zuviel.

00:03:57: Das müsste irgendwie noch rein zuviele vergleichen auch mit anderen.

00:04:02: Also ja, ich kenne das super gut.

00:04:05: Und dann fühlt man sich innerlich natürlich überhaupt nicht kreativ.

00:04:09: dabei ist es vielleicht sogar eher so eine Art Schutz oder ein Zeichen.

00:04:13: also vielleicht will uns dieses Gefühl sogar sagen unter diesen Bedingungen kann ich einfach nicht frei denken.

00:04:20: und genau da liegt ein feiner aber wichtiger Unterschied.

00:04:23: denke Wenn ich nämlich denke, ach!

00:04:26: Ich bin nicht so kreativ.

00:04:27: Dann empfinde ich das als ein Mangel.

00:04:30: Wenn ich aber denke meine Kreativität findet gerade einfach keinen guten Zugang dann bekomme ich auch mehr Distanz dazu.

00:04:38: Dann kann ich fragen was macht denn jetzt hier grade in mir zu?

00:04:41: Was ist vielleicht überladen welche Erwartungen sind vielleicht auch einfach gerade zu viel?

00:04:47: und dass so zu ersetzen kann sehr entlastend sein, weil manchmal ist Kreativität eben auch nicht super spektakuläres.

00:04:56: Wer erwarten glaube ich oft viel zuviel?

00:05:00: Manchmal ist Kretivität einfach die Fähigkeit eine Frage anders zu stellen, nicht sofort zu antworten, nicht die erste Lösung zu nehmen ein Widerspruch nicht wegzumoderieren oder einer Zielgruppe vielleicht mal wirklich zuzuhören.

00:05:16: Also wie fühlt sich diese Situation für diese bestimmten Menschen an?

00:05:20: Manchmal ist Kreativität auch total einfach und klein, also dass sie bedeutet eine Sache einfach mal wegzulassen, eine Dramaturgie zu vereinfachen ein Moment vielleicht in einem Workshop stiller zu machen statt ihnen noch mehr zu aktivieren.

00:05:37: gerade im Lernen- und Bildungsarbeit wird Kreativität auch oft, wie ich finde mit einem Mehr verwechselt.

00:05:45: Also mehr Interaktion, mehr Abwechslung, mehr Visualisierung noch mehr Aktivierung, noch mehr Wow-Effekt... Ja, ich hasse diese Formulierung!

00:05:53: Aber manchmal oder eigentlich fast immer liegt die kreative Entscheidung sogar im Weniger Und vielleicht ist das der Punkt, an dem Kreativität auch wieder zugänglich wird.

00:06:05: Wenn sie nicht mehr performen muss, wenn sie nicht beweisen muss dass sie ja irgendwie kreativ ist.

00:06:12: Wenn Sie wieder anfangen darf als etwas kleines unscheinbares noch nicht fertiges.

00:06:17: Als Minifrage vielleicht also was zeigt sich eigentlich denn hier?

00:06:21: Also ein genaues Hinsehen Wahrnehmung der erste und wichtigste Zugang zu Kreativität.

00:06:29: Ich finde sogar Kreatativität ist viel weniger Feuerwerk herumtollen, was wir sonst so anbildern haben sondern eigentlich eine Form von Genauigkeit und vielleicht wird es genau da spannend für alle Menschen die sich als eher so rationaler sehen.

00:06:44: Was meine ich mit dieser Genauigkeit?

00:06:46: Eine Genauigkeit gegenüber Situationen, Menschen Sprache oder gegenüber vielleicht auch Spannungen, die im Raum sind.

00:06:55: Und diese Genauigkeit braucht einfach Ruhe also nicht immer unendlich viel Zeit das ist klar aber eine gewisse andere Art von Zeit.

00:07:03: ich meine Momente in denen etwas auftauchen darf ohne sofort eingeordnet zu werden und diese Zeit fürs Wahrnehmen für diese genauigkeit gibt es im Alltag oft nicht soviel.

00:07:16: unter solchen Bedingungen ist es irgendwie verständlich wenn Kreativität eben nicht sprudelt.

00:07:22: Aber kurz zu diesem Bild.

00:07:23: Vielleicht sprudelt Kreativität in dem Sinne auch gar nicht, weil vielleicht ist Kreatativität eher wie Wasser was sich im Gegenteil dazu so ganz sanft und ruhig seinen Weg sucht.

00:07:38: Und wenn alles verdichtet ist und ja zubetoniert dann findet das Wasser keinen Lauf.

00:07:45: Dann braucht es in dieser Metapher gesprochen noch mehr Druck sondern weniger Verstopfung Anspruch weniger, frühe Sichtbarkeit von Ideen.

00:07:55: Weniger Zwang zu super originellen Ideen heißt vielleicht hat also nicht eine einzelne Instanz diesen Zugang zu unserer Kreativität versaut.

00:08:06: Also nicht nur die Schule, nicht nur unsere Eltern, Also überall wo Kreativität in irgendeiner Form bewertet wird, wird sie in gewisser Weise so domestiziert.

00:08:23: Sie darf noch vorkommen aber bitte kontrolliert!

00:08:26: Bitte nicht zu wild, nicht zu langsam natürlich auch und nicht auf gar keinen Fall nicht widersprüchlich.

00:08:33: Aber die eigentliche Kreativertät ist ja oft nicht so harmlos.

00:08:37: Sie stört auch häufig.

00:08:38: Sie kann gewohntes an Frage stellen.

00:08:42: Diese Aufgabenstellung in diesem Brainstorming ist einfach falsch gestellt.

00:08:46: Das Ziel ist vielleicht viel zu groß oder auch falsch und das ist schon nochmal etwas anderes!

00:08:53: Was machen wir denn jetzt?

00:08:54: Wie gesagt, wir könnten weniger fragen wie kreativ bin ich eigentlich?

00:08:59: und mehr wo entsteht denn eigentlich gerade Bewegung?

00:09:04: Wo merke ich?

00:09:04: Eine kleine Irritation oder wo zieht mich etwas in ein bestimmtes Thema, eine Fragestellung hinein.

00:09:11: Was lässt mich innerlich nicht los?

00:09:13: Was wirkt vielleicht auch für mich irgendwie zu glatt und was... Oder wie müsste das aussehen wenn es ehrlicher wäre?

00:09:22: Oder vielleicht auch Wie wäre es einfacher aber eben auch nicht banaler?

00:09:28: und vielleicht ist genau deshalb der Rahmen auch so entscheidend.

00:09:33: Dann sind wir nämlich auch bei Beziehungen, wenn Kreativität nicht einfach ein Talent ist was man hat oder eben nicht hat sondern eine Form von Kontakt, Kontakt mit Situationen Menschen Fragen und Spannungen und Möglichkeiten dann glaube ich können wir nicht nur allein an den Methoden arbeiten ran an die Bedingungen, an Räume in denen Wahrnehmung wieder feiner wird.

00:10:03: In denen Resonanz entstehen kann.

00:10:05: Vielleicht ist das auch die eigentliche Frage nicht wie werde ich kreativer sondern unter welchen Bedingen komme ich wieder in Kontakt mit meiner Gestaltungskraft?

00:10:15: Mit dem was mich irritiert, mit dem was immer wieder auftaucht.

00:10:19: Mit dem das noch keine fertige Idee ist aber trotzdem Aufmerksamkeit will.

00:10:24: Genau daraus wird auch mein Studio Retreat Format entstanden als Raum in dem wir unser kreatives Denken wieder suchen sortieren und in Bewegung bringen können.

00:10:35: Mein Ziel ist dass alle danach mit deutlich mehr Klarheit nach Hause gehen und mit etwas was sie auch im Alltag wunderbar weiter nutzen können.

00:10:44: Wenn du das auch interessant findest, findest Du in der Beschreibung dazu ein Link.

00:10:49: Lass Dir am Ende dieser Folge unbedingt noch Folgendes gesagt sein!

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